EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 16

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DIE SCHLINGE ZIEHT SICH ZU

Herbert Brönnimann war stinksauer. Seine Polizisten verloren die Spur zu Reto Heins Defender ohne den leisesten Schimmer zu haben, dass der Land Rover keine dreihundert Meter Luftlinie von ihnen entfernt in der hintersten Ecke im Parkhaus Herrenacker in Schaffhausen stand. Der Motor war noch warm, doch die Suche blieb erfolglos. Brönnimann ging in seinem Büro nervös auf und ab. Schliesslich griff er zum Telefonhörer seines Tischtelefons, wählte eine interne Nummer und brüllte: «Meier, zu mir, aber dalli!» Er knallte den Hörer auf seinen Platz zurück und liess sich rückwärts in seinen Ledersessel fallen. Er rieb sich mit seiner rechten Hand die Augen und überlegte dabei, wie er dem Leiter der Verkehrspolizei erklären sollte, dass er seinen besten Kriminalkommissar suchte. Kurze Zeit später klopfte es an der Türe. «Ja, herein», brüllte Brönnimann und räusperte sich als er selbst seinen aggressiven Ton bemerkte. Die Türe öffnete sich und ein hagerer Mann in Uniform betrat das Büro. «Ah, Bruno», flötete Brönnimann. «Komm herein, komm herein und setz dich. Kaffee?» Meier setzte sich gegenüber von seinem Chef in einen der Designersessel und schüttelte dabei den Kopf. «Was gibt`s?» fragte er Brönnimann. «Nun denn», stammelte dieser verlegen und fuhr fort: «Es ist mir etwas unangenehm aber was ich dir jetzt anvertraue ist selbstverständlich noch streng geheim.» Bruno Meier machte grosse Augen und spitzte die Ohren. Er zückte ein Notizblock und wollte sich Notizen machen. «Nicht doch, nicht doch. Wir wollen doch nicht etwa mitschreiben. Das muss erst noch unter uns bleiben», fuhr Brönnimann fort. «Okay. Um welch delikate Angelegenheit geht es denn? Ist deine Frau in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten?», fragte Meier weiter. «I wo.» Brönnimann machte eine abwinkende Handbewegung. «Meine Käthy fährt doch immer anständig, das weisst du doch.» Meier rutschte nervös auf dem Stuhl herum und fiel ihm ins Wort: «Dann…» Weiter kam er nicht. Herbert Brönnimann riss sofort das Gespräch wieder an sich. «Dann haben wir wohl ein anderes Problem.» Er wurde patzig und fuhr fort: «Wir suchen Polizeihauptkommissar Reto Hein.» «Was?», fiel ihm jetzt Bruno Meier wieder ins Wort. «Hast du dein Personal nicht mehr unter Kontrolle?» Meier lachte schallend. Brönnimann kochte innerlich vor Wut. Er schaute den Leiter der Verkehrspolizei ernst an: «Wir müssen davon ausgehen, dass Reto etwas zu tun hat mit den prominenten Mordfällen hier im Kanton.» Er machte eine Pause. Meier starrte ihn ungläubig an. «Hein? Reto? Das glaubst du ja wohl selber nicht», entgegnete er forsch. Und weiter: «Was hätte er für ein Tatmotiv, sich diesen Personen zu entledigen? Das ist Blödsinn, Herbert. Absoluter Schwachsinn. Dafür keine ich Reto zu gut.» Er erhob sich und machte Anstalten gehen zu wollen. Brönnimann gab ihm einen Schubs und bugsierte ihn zurück in den Sessel. Er beugte sich vornüber und schaute Meier in die Augen: «Jetzt hör mir mal gut zu Meier. Du stellst jetzt einen Suchtrupp zusammen, ganz diskret und suchst mir diesen Hein. Jetzt.» Bruno Meier zuckte relativ unbeeindruckt mit den Schultern und entgegnete: «Wenn du es sagst, Brönnimann. Aber bitte gib mir diesen Auftrag noch schriftlich. Ich will etwas in den Händen halten, wenn der Schuss nach hinten losgeht.» Er stand zackig auf, drehte sich auf dem Absatz und marschierte schnurstracks zur Türe. Er hatte diese schon halb geöffnet als Herbert Brönnimann hinterherjapste: «Kriegst du. Aber jetzt geh und suche. Und kein Wort zu niemandem.» Meier knallte ohne ein weiteres Wort zu sagen die Bürotüre hinter sich zu. «Arschloch», sagte er laut vor sich hin als er in Richtung Lift lief. Er drückte den Knopf und wartete. Er schüttelte immer wieder den Kopf. In Gedanken liess er das Erlebnis von soeben nochmals wie ein Film ablaufen. Die Lift Türe öffnete sich, er trat ein und drückte Stockwerk eins. «So ein Unfug», sprach er laut vor sich hin, als sich die Türe bereits wieder öffnete. Eine vorbeilaufende Kollegin schaute ihn überrascht an. Doch Bruno Meier ging ohne davon Kenntnis genommen zu haben weiter in sein Büro. Seiner Assistentin gab er die Anweisung, sie möge seine zwei engsten Mitarbeiter in sein Büro beordern. Wieder knallte er die Türe zu, ging direkt zu seinem Schreibtisch und setzte sich. Seine Gedanken kreisten. Hein? Ein Mörder von ranghohen Politikern und Persönlichkeiten? Warum? Was für Gründe könnte er haben? Seine Augen flitzten hin und her. «Nein», sagte er laut als die Türe aufging. Obwohl er ein komisches Gefühl in der Magengegend hatte, beauftragte er die beiden Beamten, eine kleine Task Force ins Leben zu rufen.  So unauffällig und diskret wie nur immer möglich um den Aufenthaltsort von Polizeihauptkommissar Reto Hein zu finden. Die Mitarbeiter schwirrten ab, das Katz und Maus Spiel konnte beginnen.

 

Reto Hein kam mit dem E-Bike zügig voran. Er fuhr, wann immer möglich, auf Quartierstrassen in Richtung Kantonsspital Schaffhausen um kein Aufsehen zu erregen. Er konnte erahnen, dass die Sicherheitsstufe bei Fabienne Pfammatter kurzfristig erhöht wurde. Er pedalte über den Reithalleweg von hinten an den Gebäudekomplex heran. Am Hauptgebäude stellte er den Flyer hinter einen Busch, zog seine Jacke bis über das Kinn hoch, senkte den Kopf und lief Richtung Terrasseneingang der Cafeteria. Im Gebäude mischte er sich so gut es ging unter die Patienten und Besucher. Er marschierte durch die langen Korridore und nutzte nicht den Fahrstuhl, sondern nahm die Treppe. Sein Ziel. Der Standort von Fabienne. Als er an einem Raum mit der Aufschrift «PERSONAL» vorbeikam, zögerte er nicht einen Augenblick. Er drückte die Türklinke – die Türe öffnete sich. Er schlupfte hinein. Verschiedene Arzneimittel standen fein säuberlich geordnet in Regalen da und daneben lagen, in Glasschränken gelagert, Bekleidungsstücke für das Pflegepersonal und Ärzte. Hein schmunzelte und redete mit sich selbst: «Wie im Film. Nun ja, was da funktioniert, funktioniert vielleicht auch hier.» Er entledigte sich seiner Jacke und zückte aus dem Schrank eine weisse Hose und Bluse. Er zog sich die Pflegewäsche an, verstaute seine Jacke in einem leeren Spint und setzte sich zum Schluss auch noch ein weisses Hütchen auf. Zur Tarnung stecke er sich auch noch mehrere Kugelschreiber in die Brusttasche. Er öffnete vorsichtig die Türe, schielte durch den Spalt und huschte auf den Flur zurück. Zielstrebig machte er sich auf, zum Zimmer von Pfammatter.

 

Es verging keine halbe Stunde, bis der Defender von Reto Hein im Parkhaus Herrenacker gefunden wurde. Die Mitarbeiter von Bruno Meier, dem Leiter der Verkehrspolizei Schaffhausen, fanden diesen mittels Überwachungsvideos. Die Beamten vor Ort stellten ernüchtern fest, dass der Wagen verschlossen dastand. Per Funk informierten sie ihren Chef. Meier griff zum Hörer und wählte die interne Nummer von Brönnimann. Das Gespräch dauerte keine fünfzehn Sekunden. «Ja, okay», sagte Bruno Meier und knallte den Hörer auf die Gabel. «Idiot», dachte er. Er griff zum Funk und dirigierte seine Leute vor Ort zur Wohnadresse von Fabienne Pfammater. Keine zwei Minuten später standen sie beim Hauseingang. Sie betraten das Entrée, fuhren mit dem Fahrstuhl auf die Etage von ihr und klingelten. Nichts rührte sich. Einer der Beamten drückte die Türklinke nach unten, doch die Türe blieb verschlossen. «Niemand zu Hause, Chef, was sollen wir tun?», fragte einer der Beiden in das Funkgerät.

 

Hein bewegte sich so unauffällig wie möglich durch das Kantonsspital. Auf einer Ablage griff er nach einem Klemmbrett. Er ging weiter und bog nach einem langen Flur links ab. Da sah er, dass zwei uniformierte Beamte vor einem Zimmer ganz am Ende auf Stühlen sassen. Er zog sich den Mundschutz ins Gesicht hoch, sein Mützchen tiefer ins Gesicht und lief zielstrebig auf die Polizisten zu. «Nachkontrolle», sagte er, ohne die Beiden anzuschauen, und öffnete die Türe. «Okay», kam es unisono zurück. Er öffnete die Türe und war überrascht, wie leicht es war in das Zimmer von Fabienne Pfammatter zu gelangen. Nachdem er die Türe wieder zu gemacht hatte, lief er zu ihr ans Bett. Seine Partnerin hing an Schläuchen die zu Maschinen neben ihr führten. Diese piepsten mit idem Pulsschlag. «Piep, piep, piep.» Fabienne war intubiert, der Beatmungsschlauch fest an ihrem Mund. Die Augen waren geschlossen. Er nahm ihre linke Hand und drückte sie leicht. «Fabienne», flüsterte er leise. «Ich bin es, Reto.» Er streichelte mit dem Daumen über ihren Handrücken, doch auf eine Regung wartete er vergebens. «Falls du mich hören kannst, du hattest recht. Brönnimann ist einer der Drahzieher. Es tut mir so leid, dass du das erleben musstest und ich nicht mit dir da war. Bitte verzeih mir.» Fabienne`s Hand, so meinte er, zuckte leicht. Er schaute sie verblüfft an. «Wenn du mich hören kannst, dann drücke meine Hand.» Er wartete und schaute auf die seine und ihre Hand. Nichts geschah. «Ich werde dich hier rausholen, ich verspreche es dir.» Er beugte sich über sie und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirne. Dann nahm er einen Kugelschreiber aus der Brusttasche und schrieb auf das Papier auf seinem Klemmbrett: «Du hattest recht. RH.» Er riss die beschriebene Ecke ab, zerknüllte den Schnitzel und steckte ihr diesen in die rechte, zur Faust geballten, Hand. Noch einmal küsste er sie auf die Stirn, ehe er das Zimmer wieder verliess. Er huschte an den Beamten vorbei und lief den Flur wieder zurück. Plötzlich rief einer der zwei Polizisten. «He, Moment mal!» Hein lief schneller. Die Beamten schossen auf und zückten ihre Dienstwaffen. «Halt. Stehen bleiben!» Hein war auf der Höhe der Abbiegung und verschwand um die Ecke. Er legte einen Spurt hin. Die Zwei hinterher. Als diese die Ecke erreichten, war Reto Hein bereits bei der Türe zur Treppe. «Halt stehen bleiben oder wir schiessen», rief einer der Beiden. Hein dachte nicht daran und verschwand im Treppenhaus. «Scheisse», fluchte der andere Beamte. Sie rannten ihm hinterher. Reto hechtete förmlich die Treppen hinunter. Er war schon zwei Stockwerke weiter unten als er die Polizisten hörte. «Stop», brüllte es hallend. Dann ein Knall. Es war wie der Biss einer Schlange. Hein stöhnte auf und griff sich an den linken Oberarm. Eine Kugel streifte ihn haarscharf.

 

FORTSETZUNG FOLGT...

Gesucht von den eigenen Leuten. Reto Hein wird nun polizeilich gesucht.

EIN RHEINFALL-KRIMI IN STÜCKEN UND ANDEREN KÖRPERTEILEN

MORDEN IM NORDEN DER SCHWEIZ

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