EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 3

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JAGDFIEBER

Hein hätte beinahe seinen Kaffee verschüttet, als er zum Funkgerät auf dem Tisch griff. «Wir kommen», brüllte er ins Mikrofon. Kriminalkommissar Reto Hein und seine Kollegin Fabienne Pfammatter von der Kapo Schaffhausen schlüpften wieder in ihre Gummistiefel, standen auf, zogen sich Ihre Jacken an und packten die Pappbecher mit dem restlichen Kaffee und verliessen das Inseli Bistro. «Und was gibt’s», fragte Pfammatter den Einsatzleiter. «Wir haben oberhalb der Sitzbänke am Rheinfallquai etwas gefunden und die Hunde haben von dort aus Witterung aufgenommen. Kommt mit.» Er machte dazu eine winkende Handbewegung und sie folgten ihm quer über das Rheinfallquai und kraxelten die Böschung hoch, vorbei an den mit Kantonswappen ausgestatteten Sitzbänken. Oberhalb von demjenigen mit dem «Graubünden» Wappen stand ein Beamter der Spurensicherung im weissen Overall und Fotografierte den abgesperrten Bereich. Nummern waren am Boden zu sehen und ein ausgelegtes Raster. Neben der Nummer drei war ein Teil eines Fussabdrucks zu sehen. «Ist das alles», fragte Fabienne in die Runde. Der vermummte Beamte schüttelte den Kopf und zeigte mit dem Finger in Richtung Gebüsch. Dort stand bei der Nummer sieben lag ein kleines Einbeinstativ welches auch gerne von Jägern verwendet wird. «Schön», sagte Hein kurz und knapp. Er war knurrig. Er war müde und ihm war kalt. Arschkalt. «Und die Hunde», fragte er den Einsatzleiter. «Mitkommen», antwortete dieser auch ziemlich trocken und stiefelte vorneweg den schneebedeckten Hügel hoch. In einem Stechschritt, so dass Reto Hein schon bald ziemlich ins Schnaufen kam. Fabienne Pfammatter hingegen tänzelte elegant die Schlössliwiese empor, bis sie schliesslich auf der Schweizerhofbrücke standen. «Da lang», grinste der Einsatzleiter die beiden Ermittler an und deutete mit der Antenne seines Funkgerätes auf den Fischerhölzlitunnel. Sie folgten ihm in die Dunkelheit.

 

«Verdammt», fahr langsamer, fluchte der Unbekannte auf dem Beifahrersitz des schwarzen Vans den Fahrer an. «Deine Fahrweise fällt auf», zischte er weiter. Der Fahrer blieb wortlos auf dem Gaspedal stehen und bretterte über den Schneebedeckten Feldweg. Erst als er den Waldrand am Anfang des Holdertobels erreichte, reduzierte er die Geschwindigkeit. Der breite Feldweg verengte sich zu einem Waldweg und der Van fuhr nun im Schritttempo parallel zum kleinen Bächlein weiter in den Wald hinein. Nach ungefähr 500 Metern stieg er über vier Serpentinen-Kurven steil nach oben ehe der Fahrer an einer Weggabelung links abbog. Leicht abfallend kam der Van nach einer zweiten Gabelung nach 300 Metern bei einer Hütte zum Stehen. Einige protzige SUV’s der Marken BMW, PORSCHE, JAGUAR, AUDI und MERCEDES mit Schaffhauser Kennzeichen standen schon da. Der Fahrer und sein Beifahrer stiegen aus und betraten die Hütte. Über der Türe hing ein handgeschnitztes Holzschild mit der Aufschrift «zum Stauffehau». «Licht und Freiheit», riefen sie aus einer Kehle beim Betreten. «Licht und Freiheit», schallte es im Chor zurück. Die Hüttentüre viel ins Schloss. Ein Rabe, welcher auf dem Dach der Hütte sass, krächzte in den kalten Morgen.

 

Pia Kellenberger war an diesem Morgen später als sonst mit ihrem Hund am Rheinufer im «Mettli» spazieren. Der Weiler am Rhein von der Gemeinde Dachsen mit den Einfamilienhäusern war eine eingeschworene Gemeinschaft. Wie immer lief sie mit ihrem schwarzen Labrador Rüden von Ihrem Haus quer durch die Wiese zum Uferweg und traf da auf Ihre Nachbarsfreundin Lisbeth Meier. Die Schneewolken hatten sich zwischenzeitlich verzogen und der Wintersonne Platz gemacht. Die beiden Damen nutzten die Gelegenheit und setzten sich auf die rote Bank um einen Schwatz zu halten. Sie waren gerade dabei Neuigkeiten aus dem Quartier auszutauschen, als Pias Labrador «Quincy» aufgeregt am Ufer zu bellen begann. «Pfui», rief Pia Kellenberger. «Pfui! Aus! Fertig!» Aber der Labradorrüde war nicht zu beruhigen. Sie stand auf und begab sich über den Kiesstrand ans Wasser. Sie sah, wie ihr Hund etwas rundes anbellte und immer wieder mit der Pfote daran rumkratzte. «Aus, Quincy! Aus!», befahl sie ihm und nahm in an die Leine und band ihn an einem Wurzelstock fest. Sie ging zurück um zu sehen, was ihren Hund so in Rage gebracht hatte. Das runde Etwas war in Jute eingepackt. Sie stupste es mit dem Fuss aus dem Wasser aufs Kies. Dann bückte sie sich und suchte nach einer Öffnung. Vorsichtig zog sie an der nassen Schnur, zog diese aus den Fasern und öffnete die Tüte aus Jute. Sie stiess einen fürchterlichen Schrei aus, als Sie den Inhalt erblickte. Sie japste nach Luft und taumelte rückwärts so hart auf ihren Allerwertesten, dass sie sogleich noch einen Schrei von sich gab. «Hilfe, Lisbeth, zu Hilfe!», rief sie, ehe ihr schwarz vor Augen und sie ohnmächtig wurde.

Lisbeth Meier, welche ihre Facebook-Profil auf Neuigkeiten überprüfte und erst durch den Schrei und den Hilferuf aufgeschreckt ihr iPhone beiseitelegte, sprang sofort aus und eilte so schnell es ging die 20 Meter zu Pia Kellenberger. Als sie bei ihr ankam lag diese bewusstlos auf dem Kiesbett, neben ihr der halboffene Jutesack. Als sie die Szenerie überblickte und sie realisierte, dass sie ein Frauenkopf daraus anstarrte. Ihr wurde gleichzeitig kalt und warm. Geistesgegenwärtig rannte sie zurück zur Sitzbank, auf welcher sie ihr Handy hat liegen lassen und hastete wieder zurück zu Pia. Unterwegs öffnete sie zitternd ihr Telefon mit ihrem Sperrcode, tippte auf die Telefonapp und wählte auf der Tastatur «117». Bei Pia angekommen, kniete sie sich neben sie und nahm ihre Hand. «Pia, Pia! Kannst Du mich hören?», keuchte sie. «Kantonspolizei Zürich, Notrufnummer, Wachtmeister Harzenmoser, wie kann ich ihnen helfen», sprach es am anderen Ende. «Meier, Dachsen. Schnell. Polizei, Krankenwagen. Schnell. Am Rheinufer. Im Mettli. Gar nicht gut. Totenkopf im Wasser. Frau verletzt!» Sie erklärte so hastig, dass ihr Gesprächspartner sie erst einmal beruhigen musste. Der Wachtmeister sprach mit ruhiger, aber bestimmter Stimme: «Frau Meier, nicht so schnell. Ganz ruhig. Bitte beruhigen sie sich. Bitte nochmals!» Sie versuchte ganze Sätze zu bilden und erklärte etwas geordneter die Situation am Rheinufer. Sie hielt immer noch Pia Kellenbergers Hand. Sie war erleichtert, als diese langsam wieder die Augen öffnete. Sie schaute sie lächelnd an und sah wie neben Pias Kopf eine rote Flüssigkeit unter den Haaren hervorfloss. «Und schnell. Da ist Blut!», brüllte sie ins Telefon und legte auf. «Geht’s?» fragte sie so ruhig sie nur konnte und versuchte nicht die Jutentüte anzuschauen. Sie zog ihre Jacke aus, knüllte sie zu einem Kissen zusammen, hob Pias Kopf und schob sie drunter. Dabei sah sie die grosse Platzwunde an ihrem Kopf. Sie hielt weiter ihre Hand. Die 10 Minuten kamen Lisbeth Meier vor wie eine Ewigkeit. Die Sirene des Krankenwagens klang wie eine Erlösung für sie. Eine Minute später war auch die Kantonspolizei auf Platz. Die Sanitär übernahmen und brachten ihr eine wärmende Wolldecke. Die Rettungssanitäterin brachte sie stützend zum Krankenwagen, wo sie sich auf den Einstiegstritt setzen durfte. «Warmen Tee», fragte die Sanitäterin. Sie nickte, nahm den Becher mit einem Lächeln nickend entgegen und nippte. Der Rettungsarzt kniete derweil bei Pia Kellenberger und ihr Labradorrüde schaute der Szenerie interessiert von seinem Platz am Wurzelstock zu. «Frau Meier?» Sie zuckte zusammen. Ein Beamter in Uniform stand neben ihr bei Rettungsfahrzeug, stellte sich vor und begann ihr Fragen zu stellen. Sie schilderte ihr die Situation aus ihrer Sicht. Dass sie auf der Bank gesessen hätten, sie plötzlich einen Schrei und Hilferuf gehört hätte und dann die Lage so angetroffen hat wie die Rettungskräfte sie vorgefunden haben. Der Beamte machte sich Notizen, bedankte sich und ging wieder zurück zum Tatort. Die Sanitäter brachten Pia Kellenberger und ihren Labradorrüden «Quincy» zum Krankenwagen. Lisbeth war froh, als sie sah, dass ihre Freundin mittlerweile wieder laufen konnte. Sie trug einen Verband um ihren Kopf. «Könntest Du bitte Quincy nach Hause bringen, Lisbeth?», fragte Pia. Lisbeth nickte und sagte: «Sicher. Gerne doch. Und was ist mit Dir?» Pia lächelte gezwungen zu ihr rüber: «Nur eine Platzwunde. Die muss aber genäht werden im Spital in Winterthur. Ich rufe von unterwegs meinen Mann an.» Die Sanitäter setzten Pia auf den Stuhl im Fahrzeug und vergewisserten sich, dass es Lisbeth Meier soweit gut ging, stiegen ein und fuhren Richtung Winterthur. «Na dann, Quincy», sagte sie zum Labrador. «Dann machen wir uns mal einen Kaffee zu Hause!» Sie zottelten von dannen.  

 

«Hier endet die Spur», sagte der Einsatzleiter, als er neben dem Hundestaffelführer stand. Just an jener Stelle, wo der Unbekannte in den schwarzen Van einstieg. «Hier muss der oder diejenige in ein Fahrzeug eingestiegen sein. Die hier vorhandenen Reifen- und Fussspuren zeigen das eindeutig», erklärte er weiter. «Ja und», fragte Fabienne Pfammatter fordernd. «Könnt ihr denn nicht mit den Hunden der Fahrzeugspur folgen?» Der Hundestaffelführer ergriff das Wort. «Das haben wir versucht. Bis zur Hauptstrasse funktioniert das auch. Aber zwischenzeitlich kam der Winterdienst und hat geräumt und gesalzen und durch das Abtauen in Kombination mit dem Salz verliert sich die Spur.» Er machte eine kurze Pause und ergänzte: «Leider!» «Schon gut, war ja nur eine Frage», antwortete Fabienne. «Ok», meinte Hein. «Dann nehmt bitte alle vorhandenen Spuren, Abdrücke und dergleichen auf und schickt sie ins Labor.» Der Einsatzleiter nickte. «Ernst», ergänzte Hein, «bitte sei so lieb und organisiere und doch eine Streife, welche uns hier abholt. Danke.» Er nicht nochmal und sprach in sein Funkgerät. «Sei mir nicht böse, Fabienne.» Reto Hein blickt seiner Kollegin tief in die Augen und ergänzte: «Aber ich muss kurz nach Hause. Mich duschen, umziehen und endlich aus diesen Stiefeln raus!» Fabienne Pfammatter grinste. «Da bin ich aber froh. Ich bitte auch!» Heins Telefon klingelte. Er ging ran. «Ist nicht wahr!» Pause. «Wo?» Pause. Fabienne blickte in fragend an, er deutet mit dem Finger an seinen Kopf. Sie blickte noch fragender. «Wann?» Kurze Pause. «Ok wir kommen!» Legte auf und sagte zur ihr: «Die Dusche muss warten.»

Labradorrüde Quincy im Jagdfieber. Ist der gefundene Kopf derjenige von der Kopflosen Frauenleiche im Rheinfallbecken?

EIN RHEINFALL-KRIMI IN STÜCKEN UND ANDEREN KÖRPERTEILEN

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