EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 1

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ZU FRÜH UM WACH ZU SEIN

Zum Glück hatte Kriminalkommissar Reto Hein seinen alten Land Rover genommen, als er sich noch schlaftrunken ans Steuer gesetzt hatte. Er hasste solche Einsätze, als ihn der Alarm frühmorgens um drei aus dem Tiefschlaf holte. «Scheisse früh», fluchte Hein als er von sich zuhause über die Landstrasse quer durch das Klettgau bretterte. Starkregen reduzierte die Sicht in der rabenschwarzen Nacht auf ein absolutes Minimum, weshalb er auch nicht so schnell wie geplant vorankam. Mit fünfzig Kilometer pro Stunde schlich er in Richtung Schaffhausen, sein an Magneten befestigtes Blaulicht warf im Sekundentakt gespenstische Schatten vor seinen Defender. Kurz vor Schaffhausen wechselte der Starkregen in intensiven Schneeregen. Die Fahrbahn wurde langsam aber sicher immer weisser. Und rutschiger. Hein stoppte seinen Land Rover kurz und schaltete das Differenzial-Getriebe zu. Mit dem Ärmel seiner Wachsjacke wischte er die mittlerweile beschlagene Frontscheibe ab. «Scheisse», fluchte er schon wieder. Die kleinen Scheibenwischer ächzten und quietschten und versuchten dem Schneeregen Herr zu werden. Hein wechselte auf Scheinwerfer, was aber die Sicht nicht wesentlich verbesserte. Er hebelte an der Heizung herum und stellte den Kippschalter vom Gebläse auf volle Leistung. Ein Tritt auf die Kupplung und er spürte wie sich das Sperrgetriebe einklinkte und er langsam weiterfuhr. Es war drei Uhr vierzig, als er am Rheinfallquai ankam. Die Szenerie wirkt unecht. Die Kripo Schaffhausen war schon vor Ort, Scheinwerfer durchbrachen Nebelfetzen. Er parkte, setzte seinen Hut auf und stieg aus. Es schneite jetzt. Und wie. Er griff in seine Jackentasche und suchte seine Pfeife, welche er zu seinem Ärger zuhause vergessen hatte. «Scheissnacht», fluchte Hein vor sich hin und lief in Richtung der im Scheinwerferlicht reflektierenden Polizeiabsperrung.

 

«Ah, hat’s der Herr auch noch geschafft», raunzte ihn eine Frauenstimme mit ausgeprägtem Walliser Dialekt von der Seite aus dem Halbdunkel an. Hein grinste unter seinem Hut hervor und drehte seinen Kopf um neunzig Grad nach rechts. Seine Augen leuchteten, denn seine Assistentin, Kommissarin Fabienne Pfammatter aus Mörel, einer kleinen Gemeinde im Wallis, war mit ihrer Grösse von knapp einem Meter siebzig, ihrer zierlichen Figur und ihren roten, lockigen Haaren auch frühmorgens schlicht und ergreifend atemberaubend anzuschauen. Sie trug einen langen Tweet Mantel, schwarzweiss gestreifte Gummistiefel und schien unter dem Mantel noch ihr Pyjama zu tragen. Hein verkniff es sich einen Spruch in ihre Richtung loszulassen und musterte sie. «Hmmm», gab er von sich und beobachtete wie die Schneeflocken sich in ihrem rostroten Haar verfingen und ihr ein Puderzucker-Krönchen verpassten. «Ein Kaffee wäre jetzt gut», sagte Hein und deutete gleichzeitig mit dem Finger in seiner Jackentasche in Richtung Ufer vom Rheinfallbecken. «Schon wieder», fragte Reto Hein fragend seine Assistentin. Pfammater nickte stumm.

 

«Verdammte Scheisse», schoss es aus Hein heraus. «Verdammte Scheisse». Fabienne Pfammater deutete sprachlos mit dem Kopf in Richtung Ufer und lief voraus. Hein folgte ihr die Böschung hinunter auf die Kiesbank. «Können wir?», fragte Pfammater die Forensiker. Der Herr im weissen Schutzanzug nickte, knipste ein letztes Foto und überliess dem Kommissaren Duo den Fundort. Sie starten ungläubig auf den nackten Frauenkörper. Oder das was davon ans Ufer gespült wurde, denn diesem fehlten Beine, Arme und Kopf. Hein zückte seine Maglite Taschenlampe und leuchtete den Rumpf im Schneetreiben so gut es ging ab. Er musste fast schreien, denn das Tosen des Wassers vom Rheinfall war so laut, als er Fabienne Pfammatter fragte: «Was sagt der Gerichtsmediziner?» «Der kann noch keine Angabe machen, wir müssen die Obduktion abwarten», rief sie laut in die kalte Nacht. Er wandte sich von der Szenerie ab und kletterte immer wieder abrutschend die Böschung zum Rheinfallquai hoch. Fabienne Pfammater hüpfte mit Leichtigkeit an ihm vorbei. «Nachteule», zischte Hein hinter ihr her und verkniff sich einen Blick auf den Hintern seiner Kollegin und stapfte zusammen mit ihr durch den Schneematsch in Richtung des Pavillons der lokalen Tourismusgesellschaft, um einen gedeckten Unterstand zu haben. «Fabienne», holte er mit seinem unverfälschten Schaffhauser Dialekt aus und wiederholte sich auch gleich: «Fabienne, es ist heute exakt eine Woche her, seit wir den männlichen Torso im Rechen des Kraftwerks Schaffhausen gefunden haben. Heute den weiblichen Torso. Bis heute weder Kopf, Arme, geschweige denn die Beine. Richtig?»

 

Er schaute sinnierend in Richtung des tosenden Rheinfalls, welcher aber wegen dem anhaltenden Schneegestöber und des dichten Nebels nicht zu sehen war. «Richtig», antwortete Pfammater und ergänzte: «Wir brauchen dringend die Todesursache und den Todeszeitpunkt.» Hein nickte in die Nacht hinein und murmelte: «Und ich dringend einen Kaffee.» Pfammater strahlte über das ganze Gesicht und meinte fröhlich im breitesten Walliser Dialekt: «Denn gibt’s im Büro.» Hein schaute fragend auf seine Armbanduhr. Es war mittlerweile halb fünf Uhr morgens. Er stieg in seinen alten Land Rover, sie in ihren schnieken Tesla X. Er lärmte beim Wegfahren vom Tatort, sie schlich im geräuschlos hinterher. Auf dem Parkplatz an der Beckenstube in Schaffhausen, dem Sitz der Kriminalpolizei, trafen sie sich wieder. Ihr Büro in diesem Altstadthaus war ganz oben im 3. Stock. Reto Hein und Fabienne Pfammater teilten sich dieses und von ihren Schreibtischen aus hatten sie eine traumhafte Sicht auf den Munot, dem Schaffhauser Wahrzeichen. Normalerweise. Doch jetzt war die Aussicht erst mal egal. Denn jetzt zählte nur eines: Kaffee. Und zwar mehrere Tassen.

 

Hätte die Schaffhauser Polizei Ihre Hundestaffel zur Spurensicherung an den Fundort der Leiche mitgebracht, dann wäre vielleicht einem der Hunde eine Fährte in die Nase gestiegen. Diese Hunde hätten vielleicht jene Szenerie, welche sich nur ein paar wenige Meter vom Tatort abgespielt hat, während dem die Spurensicherung alles sicherte und absuchte, grundlegend verändert und man hätte eventuell jene ganz in schwarze Kleidung und mit einer Kapuze verhüllte Gestalt entdeckt oder zumindest aufgescheucht, welche mit einem Nachtsichtgerät alles genau beobachtete und sogar aufzeichnete. Vielleicht hätte man sie auch verhaftet. Aber so blieb die komplett vermummte Person unentdeckt und so lange in ihrem Versteck, bis auch der allerletzte Polizist zusammen mit dem Gerichtsmediziner von dannen zog. Dann schlich sie sich über die Rheinfallbühne in Richtung Quai und schlüpfte unter dem Holzzaun hindurch, kletterte die Böschung hinunter und warf zwei in Jute eingepackte Pakete von der Grösse eines Fussballs in das Rheinfallbecken. Die unbekannte Person schaute ihnen kurz nach, drehte sich um, kletterte die Böschung wieder hoch, rannte über das Quai und kletterte sportlich den Abhang hinauf in Richtung der Bahnlinie der Schweizerischen Bundesbahnen. Sie schlich sich den Viaduktbogen der Schweizerhofbrücke entlang und kletterte schliesslich auf die Bahntrasse und entschwand im 112 Meter langen Fischerhölzli Tunnel.

 

4 Kaffeetassen später sass Reto Hein, noch immer in seiner Wachsjacke an seinem Schreibtisch, während dessen sich Fabienne Pfammater ihrem Tweet Mantel entledigt hatte und in ihrem Pyjama ähnlichen Jogginganzug und ihren Gummistiefeln im gegenübersass. Sie nutzte die Gunst der Stunde und beantwortete ihre Emails im Posteingang. «Hüeregüet», rief sie fröhlich und Hein zuckte aus seinen Gedanken geschossen zusammen. «Was ist hüeregüet», fragte er verdutzt? «Dass ich mein Posteingang endlich mal abarbeiten konnte», antwortete sie nüchtern. «Und Du?», fragte Sie frech zurück. «Was hast Du in der Zwischenzeit gemacht?» «Überlegt», antwortete Hein. «Überlegt.» Sie schaute ihn vorwurfsvoll an: «Und was hast Du überlegt?» «Dass es sich hier um ein Muster handelt und wir von einem Serientäter ausgehen müssen. Ich sage Dir, Pfammater, ich sage Dir, wir müssen davon ausgehen, dass wir in einer Woche wieder ausrücken müssen.» Jetzt kam er in Fahrt: «Und wenn wir eins und eins zusammenzählen, dann müssen wir wohin?» Er schaute sie fragend an und ehe Fabienne Pfammater eine Antwort geben konnte schoss es aus ihm heraus: «Richtig nach Rheinau.» «Wie kommst du denn jetzt darauf», fragte sie kritisch. «Weil es ein Rhein Fall ist, verstehst Du?» Er deutete mit den Händen zuerst so eine Art Rolle, was wohl den Rheinfall darstellen sollte und danach tippte er mit dem Finger an die Stirn. «Nein», sagte Fabienne und weiter: «Nur weil wir einen Torso im Rechen des Kraftwerkes gefunden haben und den zweiten im Rheinfall-becken siehst du darin schon einen so eindeutigen Zusammenhang? Und ein Motiv hast du dann auch schon?» So wurde etwas patzig. «I wo», zischte Hein, welcher zwischenzeitlich aufgestanden war und aus dem Fenster in Richtung Munot schaute. Das Schnee-Regen-Gestöber hatte sich verzogen und so ganz langsam brach der Tag über die Munot Stadt herein. Man sah im dämmrigen Morgenlicht eine kleine, weisse Pracht auf den Dächern. Er drehte sich von der Scheibe in Richtung Pfammater und sagte: «Fabienne pack Deine Sachen, wir müssen noch einmal zurück ans Rheinfallbecken.» Er packte sie am Arm, riss ihren Tweet Mantel vom Stuhl und ehe sie etwas entgegnen konnte schob er sie in Richtung Fahrstuhl. 10 Minuten später standen sie wieder dort, wo sie vor zweieinhalb Stunden schon einmal waren. Am Rheinfall.

Frühmorgens am Rheinfall nach dem Schnee. Hein und Pfammatter besichtigen den Tatort noch einmal.

Ein Rheinfall-Krimi in Stücken und anderen Körperteilen

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